Blog-Leserin Sabine hat gefragt:

„Wie finde ich heraus, welcher Farbtyp ich bin und welche Farben mir stehen?“

Ein spannendes Thema! Normalerweise versuche ich mich immer am Leitgedanken „First things first“ zu orientieren, wenn es um das Beantworen eurer Beauty-Fragen geht. Doch heute komme ich nicht umhin, mit einer kurzen Einführung zu starten – für diejenigen, die jetzt gerade zum ersten Mal von Farbtypen in der Mode- und Make-up-Beratung lesen. Daher gliedere ich diesen Beitrag ein wenig auf, um dir eine bessere Übersicht zu ermöglichen.

Was sind Farbtypen – und wozu sind sie gut?

Häufig hören oder lesen wir von den Farbtypen, die nach Jahreszeiten kategorisiert werden. Dabei ist nicht wichtig, in welcher klimatischen Jahreszeit du dich ganz besonders wohlfühlst, sondern es handelt sich um Farbpaletten, die uns besonders gut stehen sollen und die optimale Wahl bei Kleidung, aber auch Make-up erleichtern. Aber bin ich ein Sommertyp? Oder eher ein Winter? Bei der Farbtypberatung geht es um Optimierung und Vereinfachung. Es sind keine Regeln und strikte Verbote, sondern Leitlinien für ein harmonisches Ganzes. Menschen, die ihre Farbwelt kennen und durchziehen, gewinnen für mich persönlich vor allem an einer besonders natürlichen, schönen Wiedererkennbarkeit, die den Typ unterstreicht und das Beste aus ihm herausholt. Farbfamilien helfen dabei, einen ungezwungenen und doch immer passenden Stil zu finden.

Wie wird bestimmt?

Das Internet und Experten sind sich mitunter uneins und diskutieren immer wieder neue Wege, um zum eigenen Farbtyp zu finden. Ich halte mich hingegen an den einfachsten (und für mich logischten) Anhaltspunkt: die eigene Hautfarbe. Ganz viel Farbtheorie zur Seite gestellt und einfach ausgedrückt: Ein kühler Hautton indiziert einen kühlen Farbtypen – ein warmer Hautton führt zu einem warmen Farbtypen. Augen- und Naturhaarfarbe sind ebenfalls Indikatoren, die bei der Typbestimmung helfen können, ergeben sich aber eher aus dem Gesamtbild. Kann ich meinen Farbtyp ändern? Kurz gesagt: Nein. Zwar kann man mit Make-up und Haarfarbe einen anderen Typen immitieren, um die Illusion perfekt zu machen, sprich natürlich erscheinen zu lassen, benötigt man jedoch die Veränderung der Hautfarbe (einschließlich Unterton) von Kopf bis Fuß. Das wäre dann ziemlich aufwendig, oder?

Die Basis: Das 4er-Farbsystem

Das 4er-Farbystem unterteilt die Farbtypen in die bekannten Jahreszeiten: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die Farbpaletten ergeben sich aus der Kombination der gängigen Grund- und Mischfarben mit zwei wichtigen Zusatzwerten: Farbwärme und Farbsättigung. Hier sind wir auch schon direkt mitten drin in der bunten Farbtheorie. Ich will versuchen, es dir so unkompliziert wie möglich zu erklären. Das Grundverständnis hilft maßgeblich dabei, die eigene Farbwelt zu erkennen und bei Make-up und Kleidung anzuwenden.

Farbwärme: Die wärmste Farbe im Spektrum ist Gelb (streng genommen sogar die Mischfarbe Rotorange)– nicht, wie viele annehmen, Rot. Die kälteste Farbe ist nicht Blau, sondern Cyan (die leuchtende, fast schon grelle Übergangsfarbe von Blau zu Grün). Die Farbe Magenta ist in diesem Kontext neutral, denn sie besitzt zu gleichen Teilen blaue (kühle) und rote (warme) Anteile.

Farbsättigung: Am gesättigsten ist eine reine, leuchtende Farbe, die keinen Anteil Schwarz oder Braun besitzt. Die ungesättigste Farbe ist Grau. Entsättige ich eine Farbe, dann bleibt ihre Helligkeit bestehen, sie verliert aber an Leuchtkraft. Wenn es um die Sättigung geht, spricht man im 4er-System davon, ob eine Farbe klar (leuchtend) oder gedämpft (entsättigt, „angegraut“) erscheint.

Farbtyp Frühling
Hier habe ich dir zur Veranschaulichung eine Farbpalette für den Frühling zusammengestellt – er ist vor allem leuchtend.
Klischeetyp: pfirsichfarbener Teint, grünblaue Augen, rot- bis goldblondes Haar

Der Frühling ist ein seltener Farbtyp und mag klare, leuchtende Farben, am liebsten warm. Ein Osterkorb! Es müssen aber nicht nur grelle Leuchtfarben sein (denke an Textmarker, Sportkleidung), auch alle sanften Abstufungen hin zu Pastell gehören zu dieser Farbwelt – Stichwort „Weißbeimischung“.

Farbtyp Sommer
Einige Farbbeispiele für den Sommer – seine Töne sind vor allem kalt und gerne gedämpft, also abgetönt bis „verwaschen“.
Klischeetyp: rosiger Teint, blaugraue Augen, aschblondes bis aschbraunes Haar

Der Sommer ist der am häufigsten anzutreffende Farbtyp. Er mag vor allem die blauen Paletten – Jeanstöne mit Altrosa, Mint und hellem Grau als Kombinationsfarbe. Dieser Farbtyp mutet auf den ersten Blick vielleicht eher „eintönig“ an, ist aber recht flexibel. Er kann sich nämlich mitunter auch aus der folgenden Farbwelt beleihen, wenn die Hautfarbe nicht ganz eindeutig ist – ich selbst habe einen Teint, der zu Rosa neigt, grüne Augen, aschblondes Haar – und komme auch mit Farben aus der nächsten Farbwelt zurecht, dem …

Farbtyp Herbst
Der warme und gedämpfte Herbst ist meine persönliche Lieblingspalette, aber nicht die Farbwelt, die mir zu 100 % steht!
Klischeetyp: goldiger Teint, braune Augen, rotes bin kastanienbraunes Haar

Der Herbst ist der wärmste Farbtyp (der gelbe Farbregler ist hier Hauptakteur) und mag dazu gedämpfte Nuancen. Fast alle Naturfarben gehören zur herbstlichen Palette!

Farbtyp Winter
Klar & kalt – das ist die Charakteristik des Winters!
Klischeetyp: helle, fast bläuliche Haut, schwarzbraune oder dunkelblaue Augen, schwarzbraunes bis schwarzes Haar (selten auch weißblondes Haar!), von Natur aus eine rötliche Lippenfarbe

Kaltes Colour Blocking mit leuchtendem Blau zu Schwarz, Weiß oder Knallrot (stell’ dir Outdoor-Kleidung vor) funktionieren beim Winter grundsätzlich hervorragend. Diese Farbtypen können auch die „Unfarben“ Schwarz und Weiß so hervorragend tragend, ohne hager oder streng zu wirken, dass ich sie mit in meinen exemplarischen Farbstreifen aufgenommen habe. (Schwarz und Weiß sind einfach generell sehr toleriert, so dass sie von allen Menschen gut getragen werden können, aber nicht zu jedem Typ gleich gut passen.) Auch in Sachen Make-up geht hinsichtlich Leuchtkraft bei dieser Farbjahreszeit im Grunde alles, ohne dass es zu aufgetragen wirkt!

Dies sind die Basics, die dir bei der Bestimmung deiner Farbjahreszeit helfen. Ich liebe Farben und es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Grundsätze der Farbtheorien hier zusammenzufassen und zu veranschaulichen. Natürlich gibt es auch Typen, die „zwischen“ die Jahreszeiten fallen. (Ich gehöre streng genommen auch dazu mit meinen primär sommerlichen und sekundär herbstlichen Attributen!) Wenn du mehr Hilfe benötigst, schreibe mir gerne in den Kommentaren und wir versuchen gemeinsam, deinem Farbtyp auf die Schliche zu kommen.

Noch mehr Beauty-Fragen? Dann stelle sie gerne hier – oder jeden Montag ab 20 Uhr live in der Beauty Night!

Lynne